Für eine lebenswerte Zukunft brauchen wir mehr als Klimaziele: So funktioniert SBTN
Unsere Erde hat nur begrenzte Ressourcen. Wissenschaftler*innen sprechen von den sogenannten planetaren Grenzen. Sie zeigen uns, wie stark wir Klima, Böden, Wasser, Artenvielfalt und andere natürliche Systeme belasten dürfen, ohne dass das Gleichgewicht unseres Planeten kippt. Mehrere dieser Grenzen sind bereits überschritten, wie zum Beispiel beim Verlust der Artenvielfalt oder bei der Überdüngung von Böden und Gewässern. Das bedeutet: Selbst wenn wir die Klimakrise in den Griff bekommen, reicht das nicht aus. Ohne intakte Natur drohen uns noch schwerwiegendere Folgen für Gesundheit, Ernährung und Wirtschaft.
Für Unternehmen heisst das: Wer sich nur auf CO2-Reduktion konzentriert, übersieht zentrale Risiken und Chancen. Natur ist Produktionsfaktor, Risiko und Lösung zugleich.
(Mehr dazu in unserem Blog Artikel zu Biodiversitätsschutz in Unternehmen)

Was ist SBTN?
Über SBTi also die Science Based Target Initiative haben wir bereits berichtet (hier). Dabei handelt es sich um ein international anerkanntes, wissenschaftlich fundiertes Vorgehen zur betrieblichen Reduktion von Klimagasemissionen. Das Science Based Targets Network (SBTN) erweitert die Initiative um Umweltziele (Targets for Nature) – beispielsweise für Frischwasser oder Landverbrauch. Ziel ist es, Unternehmen messbare, wissenschaftlich fundierte Leitlinien an die Hand zu geben, um ihre Auswirkungen auf die Natur zu erkennen, zu reduzieren und schliesslich in regenerative Prozesse zu überführen.
Wie funktioniert SBTN?
Bereits zahlreiche Unternehmen haben sich SBTN angeschlossen, um ihre Auswirkungen auf die Natur zu reduzieren. Im Rahmen eines Pilotprojekts waren darunter unter anderem Alpro (Lebensmittel), Holcim (Bau) und H&M Group (Mode). Diese Unternehmen folgten dem SBTN-Prozess, der in 5 Schritte unterteilt ist:
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- Bewerten (Assess): Zuerst analysieren Unternehmen, wie sie auf Natur und Ökosysteme wirken.
Beispiele: H&M Group bewertete die Auswirkungen ihrer Baumwolllieferkette in Indien und ihrer Wollbeschaffung in Südafrika auf Landnutzung und Biodiversität. Alpro bewertete die Auswirkungen ihrer Soja- und Mandel-Lieferketten auf Landnutzung und Biodiversität in Spanien und Frankreich. - Priorisieren (Prioritize): Welche Themen und Regionen/Standorte sind am wichtigsten?
Beispiel: Holcim identifizierte das Moctezuma-Becken in Mexiko als kritische Region mit hohem Wasserstress und setzte dies als Priorität für seine Naturziele. - Messen & Ziele setzen (Measure, Set Targets): Welche Ziele sollten gesetzt werden?
Beispiel: Holcim setzte sich das Ziel, den Frischwasserverbrauch im Moctezuma-Becken bis 2030 um 39 % zu reduzieren. - Umsetzen (Act): Welche Massnahmen sind erforderlich?
Beispiel: Alpro arbeitet mit lokalen Landwirten in Spanien und Frankreich zusammen, um regenerative Landwirtschaftspraktiken zu fördern und die Auswirkungen auf die Natur zu reduzieren. - Überwachen & Berichten (Track, Report): Wie lässt sich der Fortschritt transparent machen?
Beispiele: H&M Group veröffentlicht regelmässig einen Nachhaltigkeitsbericht, der die Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Naturziele beschreibt. Holcim erfasst Geo-Standortdaten von Lieferanten und integriert diese in Plattformen wie WRI Aqueduct, um die Auswirkungen auf wassergefährdete Gebiete zu überwachen und Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Naturziele zu tracken.
- Bewerten (Assess): Zuerst analysieren Unternehmen, wie sie auf Natur und Ökosysteme wirken.
Diese fünf Schritte basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und werden regelmässig aktualisiert – im Einklang mit globalen Nachhaltigkeitszielen wie den SDGs oder dem Global Biodiversity Framework der UN.

Was bedeutet das für Unternehmen konkret?
Unternehmen, die SBTN-Ziele umsetzen, gehen über reine CO2-Reduktion hinaus. Sie betrachten ihren Einfluss auf natürliche Systeme umfassend, vom Wasserverbrauch in der Lieferkette über den Schutz von Ökosystemen bis hin zur Wiederherstellung degradierter Flächen.
Dabei ist die Umsetzung nicht ohne Herausforderungen: Unternehmen benötigen umfangreiche Daten, insbesondere entlang komplexer Lieferketten, müssen lokale Unterschiede berücksichtigen und ihre bestehenden Prozesse anpassen. Zudem erfordert es gegebenenfalls neue Denkweisen in der Geschäftsstrategie, in der Risikobewertung und im Reporting.
Trotz dieser Herausforderungen eröffnen sich zahlreiche Chancen:
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- Deutlich besseres Verständnis der Lieferkette und Förderung der Zusammenarbeit mit Lieferant*innen
- Stärkere Resilienz gegen ökologische, ökonomische und regulatorische Risiken
- Höhere Priorität auf Geschäftsleitungsebene, durch die Verpflichtung der Zielsetzung
- Zugang zu nachhaltigen Finanzierungen und Investitionsmöglichkeiten
- Stärkung der Glaubwürdigkeit gegenüber Stakeholdern, Investor*innen und Kund*innen
Wie weiter?
Wir unterstützen Unternehmen dabei, den 5-Schritte-Prozess von SBTN umzusetzen. Ausserdem begleiten wir bei der Anmeldung und Implementierung und bieten mit rewild eine Möglichkeit für Schritt 4 (Act), Land in der Schweiz zu renaturieren und so aktiv zum Schutz der Biodiversität beizutragen.
Mehr zur Biodiversitätsberatung hier.
Mehr zu rewild hier.
Mehr zur Zielsetzung anhand von SBTi hier.
Mehr zu Biodiversitätsschutz in Unternehmen hier.
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