Der Umbauplan für das ehemalige Industriegebäude sieht vor, dass das 2. Obergeschoss und der Dachstock zu Maisonette Wohnungen ausgebaut werden. Die Wohnungen sollen vom Charme der sichtbaren Konstruktionsbalken profitieren. Dass die Holzbauteile mit Holzschutzmittel belastet sind ist zwar bewusst, aber unter den vorherrschenden Umständen ist die Belastungssituation gering. Diese Umstände – ein nicht isolierter, kalter und zugiger Dachstock – werden sich mit dem Umbau jedoch drastisch verändern. Künftig wird die Innenraumtemperatur ungefähr 20 Grad betragen – ohne ständigen Durchzug. Dies sind komplett andere Voraussetzungen. Zumal es sich bei Holzschutzmitteln um flüchtige Stoffe handelt, welche je nach Temperatur unterschiedlich stark ausdunsten.
Nutzungssimulation im Dachstock
Es gilt also zu antizipieren, wie hoch die Konzentration von Holzschutzmitteln in der Innenraumluft sein wird, sobald der Dachstock ausgebaut wurde und als Wohnraum genutzt wird. Carbotech hat dazu unterschiedliche Messungen und Berechnung durchgeführt. Mittels Innenraumluftmessungen wird die aktuelle Konzentration schädlicher Verbindungen in der Raumluft erfasst. Zusätzlich werden Innenraumtemperatur und Luftumwälzungskoeffizienten erhoben.
Weiter hat Carbotech ein durchschnittlich belastetes Stück Holz entfernt um im Labor unter «Wohnraumbedingungen» über längere Zeit die austretenden Schadstoffe zu messen. Aus diesen Resultaten und den vor Ort durchgeführten Messungen kann schliesslich in einem Modell die angenommene Belastungssituation bei der künftigen Nutzung errechnet werden.
Es zeigt sich, dass die angenommene Schadstoffbelastung in der Luft zu hoch wäre, um den Ausbau ohne schützende Massnahmen durchzuführen. Deshalb hat Carbotech die möglichen Massnahmen erarbeitet und Empfehlungen bezüglich ihrer Wirksamkeit abgegeben. Mit einer Kombination unterschiedlicher Methoden – wie beispielsweise ein stellenweiser Rückbau, eine zusätzliche Isolierungsschichten oder die Umwicklung von Bauteilen mit einem adsorbierenden Aktivkohle-Vlies – kann die Belastung im Innenraum auf ein unbedenkliches Niveau gesenkt werden.
Ein Exkurs: Holzschutzmittel
Als Schadstoffgruppe bezeichnet der Sammelbegriff «Holzschutzmittel» Chlororganische Verbindungen, welche bis Ende der 80er Jahre als Insektizide und Fungizide für den Schutz von Holz verwendet wurden. Dazu gehören beispielsweise Pentachlorphenol (PCP) oder Lindan (HCH).
Doch diese Wirkstoffe sind Nervengifte, die nicht nur für Insekten schädlich sind. Sie werden über die Atemluft und die Schleimhäute aufgenommen und wirken sich auch auf den menschlichen Organismus in höheren Konzentrationen negativ aus. Das sogenannte «Holzschutzmittel-Syndrom» führt zu diffusen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Brainfog – bis hin zu Nervenschäden.
Und da es sich bei Holzschutzmitteln um persistente Stoffe handelt, also Stoffe die sich im Körper ablagern, kann auch ein andauernder Kontakt mit tiefen Konzentrationen mit der Zeit schädliche Auswirkungen haben. Diese unschönen Nebenwirkungen führten dazu, dass Chlororganische Verbindungen als Holzschutzmittel in Europa in den 1980er Jahren verboten wurden.
Fazit
Gerade bei Umnutzungsprojekten reicht es häufig nicht, die Schadstoffe unter den gegebenen Umständen zu betrachten. Es muss auch abgeschätzt werden, wie die Umnutzung sich auf die Schadstoffbelastung auswirken wird. So beispielsweise veränderte Luftzirkulation oder Innenraumtemperaturen.
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