Vor rund 160 Jahren suchte die Gemeinde Flums mittels Inserats in der NZZ nach «Industriellen» um das kleine St.Galler Dorf als Wirtschaftsstandort zu etablieren. Angesprochen fühlten sich die Gebrüder Spoerry. Sie zogen nach Flums und eröffneten dort 1866 eine Spinnerei – die heutige Flumserei. Wie sich zeigte, ein Glücksfall für die Gemeinde: Die Gründer und ihre Nachfolger*innen führten die Spinnerei mit grossem Erfolg, entwickelten das Industrieareal kontinuierlich weiter und bauten um 1900 gar die erste Arbeitendensiedlung der Schweiz. Doch seit 2009 wird kein Garn mehr produziert in Flums. Trotzdem soll die Erfolgsgeschichte der Flumserei weitergesponnen werden. Das weitläufige Areal wurde 2020 von der Pensionskasse Abendrot übernommen und ein Umnutzungskonzept erarbeitet, welches ein Zusammenspiel von Gewerbe, Kultur und Wohnen in den alten Fabrikgemäuern vorsieht.
Die Schadstoffuntersuchungen
Aufgrund der Bauhistorie – erbaut und erweitert vor 1990 – musste die Flumserei vor den geplanten Rück- und Umbauarbeiten umfassend auf Gebäudeschadstoffe untersucht werden. Die grösste Herausforderung der Schadstoffuntersuchung lag an den Ausmassen des Areals. Alleine in den Innenräumen des Hauptgebäudes wurden rund 140 Proben entnommen. Es folgten zahlreiche weitere in den Anbauten und umliegenden Gebäuden. Dies verlangte nicht nur speditives und organisiertes Vorgehen, sondern insbesondere auch viel Erfahrung in der Beprobung von Schadstoffen. So konnten wichtige Hotspots identifiziert und effizient beprobt werden, ohne den Zeit- und Budgetrahmen ins unermessliche auszudehnen. Untersucht wurden alle gängigen Gebäudeschadstoffe, insbesondere Asbest, PCB/CP und PAK.
Nutzungsbedingte Belastungen
Basierend auf der historischen Nutzung der Spinnerei bestand ein Verdacht auf nutzungsbedingte Schadstoffbelastungen. So wurde beispielsweise befürchtet, dass sich durch die Verwendung von quecksilberhaltigen Schmierölen entsprechende Verschmutzungen in der Bausubstanz gebildet haben könnten oder, dass durch das Lagern und Verwerten von Tuch Biozid-Rückstände vorhanden sind. Doch die Untersuchungen der Bausubstanz (inklusive Staub) und Messungen in der Raumluft zeigten weder für Quecksilber noch für Biozide gesundheitsrelevante Resultate. Einzig eine Verunreinigung gewisser Holzbauteile mit Kohlenwasserstoffen wurde festgestellt. Die belasteten Bauteile können rückgebaut und thermisch verwertet werden.
Ausblick
Im Sommer 2024 starteten die Schadstoffsanierungen auf dem Areal der Flumserei und dauern voraussichtlich ein Jahr. Danach kann das alte Fabrikgebäude zu Wohnungen und Gewerbeflächen ausgebaut werden.