Die Qual der Wahl
Was können wir Konsument*innen für die Umwelt tun?

Die Umweltgespräche 2025 befassten sich unter dem Motto „die Qual der Wahl“ mit den Kaufentscheidungen von Konsument*innen – und deren Auswirkungen auf die Umwelt.
Drei spannende Referate zu Ernährung, Elektronik und Mode lieferten hilfreiche Infos und alltagstaugliche Beispiele.
Die Vorträge:
Wir können mehr Hülsenfrüchte essen.
Weshalb Hülsenfrüchte eine Schweizer Zukunft haben sollten.
Christa Hirschvogel vom Verein Schweizer Hülsenfrüchte zeigte eindrücklich, welches Potenzial in diesen Pflanzen steckt. Im Schnitt essen wir in der Schweiz gerade einmal 2 kg Hülsenfrüchte pro Kopf und Jahr. Dabei wirkt sich ein öfterer Griff zu Linsen, Bohnen und Co. auf mehreren Ebenen positiv aus:
Gut für unsere Gesundheit: Richtig kombiniert – zum Beispiel mit Getreide – liefern Hülsenfrüchte alle essenziellen Nährstoffe. Zudem wird mit alten Mythen aufgeräumt: So enthalten einige Bohnen vergleichbar viel Kalzium wie Milch und Linsen ähnlich viel Eisen wie Fleisch.
Gut für den Boden: Mit weltweit über 18’000 Sorten bereichern Hülsenfrüchte nicht nur unseren Speiseplan, sondern auch die Landwirtschaft. Als Leguminosen binden sie natürlichen Stickstoff im Boden und verringern so den Bedarf an synthetischem Dünger.
Gut für die Ressourcen: Wenn wir Hülsenfrüchte direkt konsumieren, statt sie primär als Tierfutter zu nutzen, sparen wir wertvolle Anbaufläche. Zudem sind sie eine hochwertige und umweltschonende Proteinquelle.
Hülsenfrüchte können (und werden!) auch in der Schweiz angebaut werden. Dank der Sortenvielfalt gibt es für die unterschiedlichsten Anbauorte passende Pflanzen. Am Ende zählt jede Kaufentscheidung. Jeder Franken ist wie ein Stimmzettel, der das Angebot beeinflusst – für mehr Schweizer Hülsenfrüchte und eine nachhaltigere Ernährung.
Wir können bewusst mit Geräten umgehen.
Welche Hebel haben wir im Lebenszyklus von Elektro & Elektronik?
Flora Conte von der Carbotech AG gewährte dem Publikum einen Blick hinter die Kulissen von Schweizer Recyclingbetrieben. Sie veranschaulichte eindrücklich, was am Ende des Lebenszyklus mit unseren Elektrogeräten geschieht. Mit rund 15 kg Elektroschrott pro Person und Jahr belegt die Schweiz im weltweiten Vergleich einen der vordersten Plätze.
Überraschend: Noch besteht der grösste ökologische Nutzen des Elektro-Recyclings nicht in der Wertstoffrückgewinnung sondern darin, dass Schadstoffe nicht in die Umwelt freigesetzt werden. Doch selbst mit modernster Technik lassen sich nicht alle Bestandteile aufteilen und zurückgewinnen, sodass ein belasteter Rest weiterhin in der Verbrennung entsorgt werden muss.
Mischa Zschokke, ebenfalls von der Carbotech AG, ergänzte den Vortrag mit wichtigen Erkenntnissen für den Alltag: Für Privatpersonen ist die Reparatur von Elektronikgeräten meist ökologisch nachhaltiger als ein Neukauf. Denn die grösste Umweltbelastung entsteht in der Regel bei der Herstellung und nicht während des Betriebs der Geräte. Im Vergleich zu früher fallen die technischen Effizienzsprünge bei neuen Modellen zudem geringer aus.
Dennoch gibt es Ausnahmen: Ein grosser Kühlschrank verbraucht naturgemäss mehr Strom als ein kleines Gerät, weshalb ein Wechsel (Downsizing) unter Umständen sinnvoll sein kann. Bei Laptops hingegen ist die Lage eindeutig: Ihr Stromverbrauch ist so gering, dass sich die Herstellungsenergie eines neuen, effizienteren Modells erst nach rund 300 Jahren amortisieren würde.
Das gemeinsame Fazit der Expert*innen: Vor jedem Kauf sollte die entscheidende Frage stehen: „Brauche ich das wirklich?“
Wir können unsere Kleidung achtsam auswählen.
Möglichkeiten und Grenzen von zirkulärer und nachhaltiger Mode.
Pauline Treis, Gründerin des Zürcher Modelabels Jungle Folk, schärfte den Blick für die oft verborgenen Seiten der Modeindustrie. Zwar verraten Etiketten oft den Fertigungsort wie „Made in China“ oder „Made in Bangladesh“, doch woher das Garn stammt oder unter welchen Bedingungen die Stoffe produziert wurden, bleibt meist im Dunkeln. Intransparente Lieferketten sind in der Branche leider eher die Regel als die Ausnahme.
Diese Undurchsichtigkeit hat gravierende Folgen: Ökologische Belastungen und Menschenrechtsverletzungen gehören vielerorts zum Alltag der Textilproduktion – Realitäten, vor denen wir uns als Konsumierende oft verschliessen.
Ein Blick auf die Schweiz verdeutlicht den Handlungsbedarf: Wir zählen zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Textilkonsum und -abfall. Ein Grossteil der entsorgten Kleidung landet direkt in der Verbrennung. Hinzu kommen Probleme wie Mikroplastik und eine generell sinkende Wertschätzung für Kleidung.
Doch Pauline Treis beweist, dass es Alternativen gibt. Ihr Label Jungle Folk kooperiert mit kleinen Manufakturen in Lateinamerika, pflegt den persönlichen Kontakt und ermöglicht echte Mitbestimmung. Auch die Kundschaft wird eingebunden: Durch Repair-Workshops hilft das Label, die Lebensdauer der Kleidung zu verlängern und ihr wieder die Wertschätzung entgegenzubringen, die sie verdient. Wer Unterstützung bei nachhaltigen Kaufentscheidungen sucht, dem rät Pauline zu Plattformen wie GoodOnYou, die Modemarken nach sozialen und ökologischen Kriterien bewerten.
Wir können immer etwas dazu lernen.
Mythencheck und Faktenquiz – Carbotech-Style
Zum Abschluss rundete Andrina Wielath von Carbotech AG mit einem Quiz rund um ökologische Nachhaltigkeit den Anlass ab. Ziel war es mitunter die Grössenordnungen des ökologischen Nutzens von Kaufentscheiden oder Verzicht zu bestimmen.
Danach blieb Zeit für einen anregenden Austausch beim bezaubernden Apéro – zubereitet von Daniela Culinaire.
Vielen Dank an alle Beteiligten und Teilnehmenden! Wir freuen uns bereits auf die nächste Veranstaltung 🙂