Projekt

Auf dem Weg zu Netto-Null mit SBTi

Täglich werden Tonnen an Obst und Gemüse aus aller Welt in die Schweiz transportiert, damit uns Supermärkte und Gastronomie zuverlässig versorgen können. Doch was steckt hinter diesen Lieferketten, wenn man deren Klimawirkung konsequent durchleuchtet?

Ein Schweizer FLAG-Unternehmen übernimmt Verantwortung

 

Wir haben für die PPO Holding, ein führendes Schweizer Handelsunternehmen für Obst und Gemüse, eine Klimabilanz nach dem GHG-Protokoll erstellt (Scope 1–3, inklusive FLAG-Berechnung). Darauf aufbauend haben wir Massnahmen entwickelt und quantifiziert, einen Absenkpfad definiert und die Anmeldung bei der Science Based Targets initiative (SBTi) als Grossunternehmen mit FLAG-Emissionen durchgeführt. Zudem haben wir die PPO Holding bei der Umsetzung erster Massnahmen begleitet, wie etwa beim Aufbau nachhaltiger Beschaffungsrichtlinien und bei der Optimierung der Datensysteme für die Erstellung künftiger Klimabilanzen.

Wo entstehen die Emissionen und warum FLAG entscheidend ist

Die Analyse zeigt deutlich: Der grösste Teil der Emissionen fällt im Scope 3 an, also in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, wo das Unternehmen nur indirekten Einfluss hat.

 

 

Genauer gesagt entstehen die höchsten Emissionen beim Anbau des eingekauften Obstes und Gemüses. Damit rücken die sogenannten FLAG-Emissionen (FLAG = Forest, Land and Agriculture), also die Emissionen bis zum Hoftor, ins Zentrum. Beim Anbau von Obst und Gemüse sind das unter anderem die Herstellung und der Einsatz von Düngemitteln, Treibstoffe für Maschinen und Bewässerungssysteme sowie die Freisetzung von Kohlenstoff durch die Umwandlung von Flächen zu Acker/Gewächshäusern.

Neben dem eingekauften Obst und Gemüse leisten zudem die Transporte einen erheblichen Beitrag zur Gesamtemission des Handelsunternehmens.

Die Emissionen im Scope 1 und 2 machen dagegen nur einen kleinen Teil aus. Dazu gehören insbesondere der Treibstoffverbrauch der Firmenfahrzeuge, Emissionen aus Kältemitteln sowie Emissionen aus eingekaufter Wärme auf fossiler Basis. Gerade hier zeigt sich jedoch eine Herausforderung: Als Mieterin hat die Holding wenig Einfluss auf die Gebäudeinfrastruktur. Trotzdem suchen sie gezielt nach Lösungen, etwa durch die Eigeninvestition in eine Photovoltaikanlage.

 

Vom Status quo zu Netto Null: Massnahmen für die Zukunft

Bereits heute werden bei der PPO Holding viele Dinge richtig gemacht: Flugware ist praktisch kein Thema, fast alle Transporte erfolgen per Schiff oder Lastwagen, und deren Auslastung wird so gut wie möglich optimiert.

Darauf aufbauend wurden konkrete Massnahmen definiert, um die Klimabilanz weiter zu verbessern:

  • Mehr Transparenz schaffen und Daten verbessern: Systematische Abfrage von Emissionsfaktoren und nachhaltigkeitsrelevanten Informationen bei Transportpartner*innen und Produzent*innen.
  • Nachhaltige Beschaffung: Einführung verbindlicher Richtlinien, die ökologische und soziale Kriterien verankern.
  • Reduktion der Scope 1-Emissionen: Schrittweiser Umstieg der Firmenflotte auf Elektrofahrzeuge, Investition in eine Photovoltaikanlage.
  • Lieferkette in die Verantwortung nehmen: Wichtigste Transport- und Produktionspartner*innen werden aufgefordert sich ebenfalls zu Netto-Null zu verpflichten.

Alle Massnahmen wurden in einem Absenkpfad zeitlich hinterlegt, so lässt sich die Zielerreichung transparent nachverfolgen und regelmässig überprüfen.

 

SBTi: Verpflichtende Klimaziele mit FLAG im Blick

Mit der Anmeldung bei SBTi hat die PPO Holding den entscheidenden Schritt gemacht, um ihre Ziele wissenschaftsbasiert und langfristig zu festigen. Als Grossunternehmen mit FLAG-Emissionen verpflichtet sie sich zu folgenden Zielen:

  • Bis 2030 sollen die Emissionen aus Scope 1 und 2 um 42% reduziert werden. Die Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Scope 3) sollen um 25 % sinken, und die FLAG-Emissionen um 30.3 %.
  • Bis 2050 sollen die Emissionen aus Scope 1 und 2 sowie die Scope-3-Emissionen um 90 % gesenkt werden. Für die FLAG-Emissionen ist ein Rückgang von 72 % Prozent vorgesehen.

Darüber hinaus verpflichtet sich das Unternehmen zum Nullentwaldungsziel: Ab 2025 dürfen keine Waren mehr aus Entwaldung oder Waldschädigung eingekauft werden. Dieses Ziel soll auf die Produzent*innen ausgeweitet werden, indem es vertraglich festgehalten und in den nachhaltigen Beschaffungsrichtlinien verankert wird.

Dieses Projekt zeigt: Auch in globalen Lieferketten, mit komplexen Herausforderungen und eingeschränkten Einflussmöglichkeiten, können Unternehmen entschlossen handeln und ambitionierte Schritte in Richtung Netto-Null setzen.

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