09. April 2026

Nebenströme nutzen: Wie aus vermeintlichem Abfall wertvolle Ressourcen werden

Nebenströme, also Rohstoffe, die im Produktionsprozess übrigbleiben, werden oft als Abfall betrachtet. Doch wer genauer hinschaut, erkennt ein ungenutztes Potenzial für alle Beteiligten.

Was sind Nebenströme?

Nebenströme sind Rohstoffe, die aus Abfallprodukten eines beliebigen Produktionsprozesses gewonnen werden können. Sie fallen grundsätzlich überall dort an, wo Materialien verarbeitet, veredelt oder verbraucht werden. Besonders relevant sind Branchen mit hohem Materialeinsatz oder komplexen Produktionsprozessen.

Typische Beispiele finden sich in der Lebensmittelindustrie:

  • Biertreber aus der Bierbrauerei als Mehl‑/Zutatenersatz in Chips, Pizza und anderen Snacks
  • Apfeltrester aus der Saftproduktion als Faser/Backzutat oder zur Pektin-Gewinnung
  • Obst- und Gemüseabfälle für Aromen, Eis oder als Textilersatz
  • Kaffeesatz als Substrat für die Pilzzucht
  • Altbrot zur Herstellung von Bier oder Pasta

 

Warum sich der Blick auf Nebenströme lohnt?

Die Weiterverwendung dieser vermeintlichen Abfallprodukte birgt Vorteile für Industrie und Umwelt und bietet Möglichkeiten für innovative Geschäftsideen.

Ökonomische Vorteile: Bei den Produzent*innen sinken die Entsorgungskosten und es entstehe neue Einnahmequellen, beispielsweise durch den Weiterverkauf der Nebenprodukte oder eine interne Wiederverwendung. Für die Nebenstrom-Abnehmer*innen wiederum können die Beschaffungskosten und -risiken minimiert werden.

Ökologische Vorteile: Die Wiederverwendung von Nebenströmen führt zu einem geringeren Abfallvolumen und Ressourcenverbrauch, denn Nebenströme ersetzen häufig Lebensmittel und nachwachsende Rohstoffe, deren Anbau die Umwelt stark belastet. So reduziert sich der Klima- und Umweltfussabdruck.

Die Nutzung von Nebenströmen ist also sowohl für Produzent*innen als auch für Abnehmer*innen eine Win-Win Situation. Es bedarf lediglich kreativer Ideen für die Weiterverwendung der Rohstoffe. Damit ist es der ideale Nährboden für Startups, die so eine Möglichkeit erhalten, neue und innovative Lösungen für bisher ungenutzte Ressourcen zu entwickeln. Gleichzeitig eröffnet es den Nebenstromproduzent*innen die Chance, ihre Produktpalette durch kreative Weiterverwendung zu erweitern.

 

Wie lassen sich relevante Nebenströme identifizieren?

Durch eine Produktökobilanz werden relevante Nebenströme sichtbar. Dabei werden alle Material- und Energieflüsse eines Prozesses entlang des gesamten Lebenszyklus erfasst und bilanziert. In der Sachbilanz werden Inputs und Outputs detailliert aufgeschlüsselt, inklusive jener Ströme, die nicht im Hauptprodukt landen. Zum Beispiel Produktionsverluste, Verschnitt, Reststoffe oder ungenutzte Energie. Durch die Verknüpfung mit Umweltwirkungen lassen sich die relevantesten Nebenströme priorisieren, also jene mit hohem Mengen- oder Umweltimpact.

 

Beispiel aus der Praxis
Die Ökobilanz der Firma Blattmann Schweiz AG zeigt: Wenn Glukose anstatt aus Weizenmehl aus Kartoffel-Slurry hergestellt wird, sinkt die Umweltbelastung um bis zu 77%. Denn während Weizenmehl direkt für die menschliche Ernährung genutzt werden kann, ist Kartoffel-Slurry ein Nebenprodukt aus der Herstellung von Pommes frites.

 

Zusammengefasst

Nebenströme sind keine Abfälle, sondern ungenutzte Ressourcen. Oft bleiben diese Potenziale jedoch verborgen. Genau hier setzt die Ökobilanz an: Sie macht Stoffströme sichtbar, deckt Ineffizienzen auf und zeigt, wo ökologische und wirtschaftliche Optimierungen möglich sind. Zudem können innovative Unternehmen mit einer Produktökobilanz aufzeigen wie viel geringer der Fussabdruck ihres Produktes mit Nebenstromnutzung im Vergleich zu den üblichen Alternativen auf dem Markt ist.

 

In vielen Unternehmen schlummern ungenutzte Nebenströme und Optimierungspotenziale. Gerne unterstützen wir Sie dabei, diese systematisch zu identifizieren und sinnvoll zu nutzen.

 

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