Naturfaser vs. Kunstfaser: Die überraschenden Ergebnisse der Textil-Ökobilanz
Die Carbotech AG hat im Auftrag des Umwelt- und Gesundheitsschutzes (UGZ) der Stadt Zürich die Umweltbelastung verschiedener Textilfasern verglichen. Im Interview erklärt die Projektleiterin Tanja Laube, was das Ziel der Studie war, wo die grössten Überraschungen liegen und was die Ergebnisse für einen nachhaltigeren Umgang mit Kleidung bedeuten.

Tanja, was war das primäre Ziel dieser Ökobilanz-Studie für das UGZ?
Antwort: Das UGZ wünschte sich eine Entscheidungshilfe für die Beschaffung und ein Fallbeispiel für die Kommunikation. Das Ziel war, den Umweltfussabdruck verschiedener Natur- und Kunstfasern zu berechnen. Ergänzend haben wir aufgezeigt, welche Umweltauswirkungen ein Kleidungsstück über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg verursacht.
Wenn man sich die Ergebnisse ansieht, gibt es eine Erkenntnis, die viele überraschen dürfte?
Antwort: Viele dürfte es überraschen, dass wenn man lediglich die Herstellung der Fasern betrachtet, Naturfasern meisten eine höhere Umweltbelastung aufweisen als Kunstfasern. Das liegt am landwirtschaftlichen Anbau, dem enormen Land- und Wasserverbrauch und – vor allem im konventionellen Anbau – dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Bei Wolle kommen zudem die Methan-Emissionen der Tiere und die Futtermittelproduktion hinzu.
Bedeutet das, wir sollten alle nur noch Kunstfasern tragen?
Antwort: Nein, das wäre ein falscher Schluss. Synthetische Fasern basieren meist auf nicht erneuerbaren Rohstoffen wie Erdöl, und sind nicht biologisch abbaubar. Dadurch wird die Entsorgung am Lebensende bei Kunstfasern deutlich umweltschädlicher.
Gibt es denn eine „beste“ Faser?
Antwort: Jein. Aus ökologischer Sicht sind Recyclingfasern die beste Wahl. Sie weisen die tiefste Umweltbelastung auf, da für sie wenig oder gar kein Primärmaterial benötigt wird. Praktisch gesehen gibt es Anwendungsfelder für unterschiedliche Fasertypen. Die Fasern sollten entsprechend ihrem Einsatzgebiet gewählt werden.
Ihr habt auch ein Baumwoll-T-Shirt über den gesamten Lebenszyklus untersucht. Was können Konsument*innen tun, um ihren Fussabdruck zu senken?
Antwort: Weniger kaufen und Kleider möglichst lange nutzen. Auch auf die Pflege kommt es an: Die Nutzungsphase, also das Waschen und Tumblern, macht bis zu 3o% der Umweltbelastung aus. Unser Rat: Seltener und bei niedrigen Temperaturen waschen, an der Luft trocknen. Wolle zum Beispiel, muss sehr selten gewaschen werden oder kann auch einfach an die frische Luft gehängt werden.
Hier gehts zum ganzen Bericht der Ökobilanzstudie.
Tanja Laube ist seit 2022 bei Carbotech im Bereich Umweltberatung und Ökobilanzierung als Projektleiterin tätig. Zu ihren Fachgebieten zählen Lebensmittel, Textilien sowie Kunst und Kultur.
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